Stern
12.08.2004
Drohender Bruderzwist
Der Streit um die Berliner FLICK-AUSSTELLUNG erfasst nun die Familie: Auch "Muck" Flick hat in den Zwangsarbeiterfonds eingezahlt. "Mick" weigert sich weiterhin
Seit Wochen schwelt der Streit um die Ausstellung der Kunstsammlung von Friedrich Christian Flick in Berlin. Ihm wird vorgeworfen, er weigere sich, Konsequenzen aus der dunklen Familiengeschichte zu ziehen und in den Zwangsarbeiterfonds einzuzahlen. Salomon Korn vom Zentralrat der Juden hatte ihm vorgeworfen, seine Sammlung sei mit "Blutgeld" bezahlt. Dagmar Ottmann, Schwester der Brüder Friedrich Christian und Gert-Rudolf (Spitznamen "Mick" und "Muck"), distanzierte sich von "Mick", wehrte sich aber in einem offenem Brief gegen pauschale Vorwürfe. Sie habe nicht nur eine Historiker-Kommission mit der Aufarbeitung der Flick-Geschichte betraut, sondern auch in den Fonds eingezahlt. In der jetzt erscheinenden Familienbiografie "Die Flicks"* meldet sich nun auch Gert-Rudolf, der älteste Bruder, zu Wort. Der stern sprach mit dem Autor Thomas Ramge.
- Ihr Buch kommt in einem Moment, da der Zwist innerhalb der Familie Flick eskaliert.
Ja. Ich bin relativ sicher, dass das Tischtuch zwischen Dagmar Ottmann und ihrem Bruder Friedrich Christian Flick jetzt zerschnitten ist.
- In den Gesprächen, die Sie geführt haben, äußerte sich erstmals "Muck" Flick zur Frage des Zwangsarbeiterfonds.
Gert-Rudolf Flick hat in den Fonds für Zwangsarbeiter eingezahlt - genau wie seine Schwester Dagmar. Aber er wollte es nicht an die große Glocke hängen.
- Wie viel hat er eingezahlt?
Es ist sicher ein Millionenbetrag. Aber ich könnte mir vorstellen, dass Dagmar ein bisschen mehr gespendet hat. Man spricht von fünf Millionen. Sie hat sich, so denke ich, mehr mit den Gefühlen der noch lebenden Opfer auseinander gesetzt als ihre Brüder.
- Hatte er seine Einzahlung mit der Familie abgesprochen?
Zunächst gab es den Versuch, eine Art von Familienobolus zu stiften. Im Gespräch waren angeblich 100 Millionen Mark. Gert-Rudolf und Dagmar waren dafür, in den Fonds einzuzahlen. Friedrich Christian äußerte sich zunächst nicht klar und gründete dann seine eigene Stiftung gegen rechte Gewalt. Barbara Flick, die Mutter der drei, fand, dass die Schuld der Flicks geringer war als die anderer vergleichbarer Unternehmerfamilien und wollte nichts rausrücken, zumal die Nachfolgefirmen ja eingezahlt hatten. Und Onkel Friedrich Karl, der als Haupterbe den größten Teil bestreiten sollte, lehnte ab.
- Inzwischen soll in Bochum, in München und in Bielefeld die Geschichte der Familie historisch aufgearbeitet werden. Gibt es überhaupt noch unentdecktes Material zur Familien- und Konzerngeschichte?
Vielleicht in Osteuropa. Aber bisher ist ja nicht einmal klar, ob überhaupt noch ein zentrales Flick-Firmenarchiv existiert. Der Teil der Familie, den ich kenne, ist sich da nicht sicher. Großvater Friedrich war kein Mann des großen Schriftverkehrs. Viele Akten sind vor 1945 vernichtet worden, und den Rest haben die Ankläger der Nürnberger Prozesse zusammenzutragen versucht. Wenn darüber hinaus noch Firmenakten oder private Briefe da sind, dann hat die vermutlich Friedrich Karl Flick.
Interview: Anja Lösel
* Thomas Ramge, "Die Flicks", 290 Seiten, Campus Verlag, 24,90 Euro
